Vom Lesen, Häkeln und der Kunst der Akzeptanz

Ein kurzer Powernap mit dem Baby, der Plan zu lesen – und plötzlich springen die Gedanken im Dreieck. Warum es manchmal die beste Entscheidung ist, den Widerstand aufzugeben und mit dem ADHS-Kopf zu arbeiten, statt gegen ihn.

Der gescheiterte Versuch zur Ruhe zu kommen

Ich habe eine kleine Mittagsstunde gemacht – nicht lange, aber so knapp 40 Minuten hatte ich die Augen zu. Gemeinsam mit meinem Baby, das inzwischen auf der Welt ist. Als ich danach einigermaßen wach war, wollte ich mir eigentlich ein Buch schnappen und lesen.


Doch schon beim Versuch, alles dafür vorzubereiten, spürte ich diese typische Unruhe: Bevor ich überhaupt die erste Seite aufgeschlagen hatte, bin ich drei Mal aufgestanden, um völlig unbedeutende Kleinigkeiten zu erledigen. In diesem Moment wurde mir klar: Das ergibt jetzt überhaupt keinen Sinn. Mein Kopf ist gerade nicht im Lese-Modus.

Plan B: Häkeln als Gehirn-Anker

Also habe ich mich kurzfristig umentschieden und zur Häkelnadel gegriffen. Beim Häkeln muss ich mich nicht so stark konzentrieren. Vor allem bei der Decke, an der ich aktuell arbeite, läuft alles wie von selbst: Es sind ausschließlich halbe Stäbchen. Ich muss weder Maschen zählen noch auf ein kompliziertes Muster achten. Perfekt, um die Hände zu beschäftigen und den Kopf zu entlasten.

Das Gedankenkarussell dreht sich weiter

Während die Nadel flog, klopften natürlich prompt die nächsten Impulse an: Mir schoss der Gedanke in den Kopf, ein ganz bestimmtes Buch zu lesen, um endlich mal wieder richtig auszumisten. Kurz darauf habe ich direkt mit meinem Mann besprochen, dass wir uns nächste Woche unbedingt wieder das Büro vornehmen müssen. Wie auch immer das passiert ist – aber dort herrscht schon wieder absolutes Chaos!

Die Erkenntnis: Mit dem ADHS-Kopf arbeiten, statt dagegen

Und was soll ich sagen? Jetzt sitze ich hier und tippe diese Zeilen. Es ist wirklich erstaunlich, wie bewusst ich die Gedankensprünge in meinem Kopf heute wahrnehme. Ob das an den Stillhormonen liegt oder an etwas anderem, weiß ich nicht. Aber das Überraschende ist: Ich finde es heute gar nicht schlimm.


Im Gegenteil: Indem ich die Gedankensprünge akzeptiere, kann ich viel besser damit arbeiten. Ich erlaube mir, mich auf die unterschiedlichen Bedürfnisse meines Kopfes einzulassen – und das fühlt sich ehrlich gesagt ziemlich befreiend an.

Mein Fazit für heute:
Ich werde mich heute nicht unter Druck setzen, irgendwelche selbstgesteckten Ziele krampfhaft zu
erreichen. Ich mache genau das, was mein Kopf gerade in der Lage ist zu verarbeiten – und nichts
anderes.


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